Bianca, 17 Jahre alt, piemontesische Gräfin, romantische Blumenliebhaberin, vernarrt in die Geschichte von Tristan & Isolde, soll dem Wunsch ihres Bruders nach verheiratet werden. Und zwar gewinnbringend, denn die Kassen der Familie Lancia sind leider lange schon leer. Der vom Bruder auserwählte Kandidat ist ein rabiater Ritter, der zwar Geld, aber leider keine Manieren hat. Als Gast im Hause der Familie verschafft er sich des Nachts mit Gewalt Zugang zu Biancas Gemächern, um sich bereits vorab seiner künftigen Frau zu bedienen. Die im Zimmer nächtigende Amme wird von ihm niedergeschlagen, und Bianca kann sich der Vergewaltigung im letzten Moment durch den beherzten Stich mit einer Schere entziehen. Gemeinsam mit ihrer Amme Giovanna entledigen sie sich des sterbenden Ritters, in dem sie ihn über den Latrinenabfluss in den Burggraben versenken. Wohl wissend, dass der Bruder kein Verständnis für diese Tat haben würde, flieht Bianca noch in dieser Nacht, begleitet von Giovanna und ihrem Neffen Lorenzo, seines Zeichens Biancas Falkner. Mit Hilfe von weiteren Verwandten beginnt die abenteuerliche Flucht, die Bianca und Lorenzo als Pilger verkleidet antreten. Giovanna geht zur Genesung in ein Kloster der Albigenser, während Bianca mit ihrem Begleiter von Mantua aus nach Brindisi reist.
Der böse Ritter hingegen ist nicht im Burggraben gestorben, sondern bei Zeiten gefunden und medizinischer Versorgung zugeführt worden. Für immer verkrüppelt sendet er Bianca einen Mörder auf die Fersen, Heinrich von Passau.
In Brindisi versammelt sich derweil die schier unendliche Menge an Kreuzfahrern, die dem Aufruf von Kaiser Friedrich II. gefolgt sind. Die Stadt droht aus allen Nähten zu platzen und eine Fieberepedemie greift um sich. Bianca entkommt ihrem Verfolger in Brindisi nur mit knapper Not und dank des beherzten Einschreitens des kaiserlichen Leibarztes Karim. Gebannt lauscht sie noch des Kaisers Rede an die unruhig werdenden Kreuzfahrer und ist binnen weniger Minuten in ihn verliebt. Doch ihre Reise muss weitergehen, sie muss sich in Sicherheit bringen. Sie besteigt mit Lorenzo zusammen ein Schiff, das sie nach Famagusta bringen soll. Um dort an Geld und Waffen zu kommen, versuchen sie, englische Ritter zu bestehlen, was leider entdeckt wird. So landen die beiden unfreiwillig auf einem Schiff, das sie nach Damiette bringt, wo sie auf dem Sklavenmarkt getrennt verkauft werden. Bianca findet sich wenig später als Sklavin im Harem von Sultan al-Kamil wieder, wo sie sich mit der Lieblingsfrau des Sultans anfreundet und in der arabischen Sprache unterwiesen wird.
Kaiser Friedrich ist selbst am Fieber erkrankt und muss sich einige Wochen erholen, während das Kreuzfahrerheer ungeduldig auf ihn wartet. Friedrich hingegen hat nicht die Absicht, seine Ziele mit militärischer Gewalt durchzusetzen, sondern reist nach Akkon und nimmt Verhandlungen mit Sultan al-Kamil auf. Dieser sendet ihm unablässig Geschenke, und so unter anderem eines Tages auch eine Frau aus seinem Harem. Bianca!
Über 260 Seiten lang erleben wir, wie die Geschichten der beiden Hauptakteure aufeinander zusteuern. Und binnen weniger Seiten wissen beide, dass sie einander lieben und nicht mehr ohneeinander sein können. Natürlich müssen sie noch viele Irrungen und Wirrungen durchleben, der ewige Zwist des Kaisers mit dem Papst macht es nicht einfacher, die drohende Verheiratung des Kaisers aus „dynastischen Gründen“ bringt Wolken an den Liebeshimmel, und auch des Kaisers Sohn, König Heinrich, bereitet nur Kummer. Lorenzo taucht wie ein Wunder auch wieder befreit aus seiner Versklavung auf, und selbst Giovanna wird durch Heinrichs Leibarzt aus den Fängen der Inquisition wieder befreit. Auch Biancas Bruder, Manfred, natürlich inzwischen geläutert, erscheint am Hofe des Kaisers und gewinnt dessen Vertrauen. Biancas Verfolger lässt sich auch nicht abschütteln und treibt in regelmäßigen Abständen wieder sein Unwesen …
Schon anhand dieser Zusammenfassung kann man erkennen, dass hier erstaunlich viele Fäden gesponnen sind. Zu viele, um wirklich glaubhaft zu sein. Es gelingt der Autorin allerdings, die Örtlichkeiten gut zu beschreiben, die Zeit entsteht recht lebendig vor dem geistigen Auge. Die Figuren bleiben jedoch allesamt farblos, die Charaktere haben leider keine Tiefe. Selbst die Bösen polarisieren nicht, wecken keinerlei Emotionen. Schwarz und weiß, leider keine ausgeloteten Grauzonen. Lediglich der Leibarzt des Kaisers, Karim, hat wirklich ein Gesicht. Sein Wirken als Arzt wird einigermaßen umfassend beschrieben, so dass der Unterschied zu der europäischen Heilkunst gut skizziert wird. Alle gängigen Klischees werden erfüllt, dass Bianca natürlich blond, zart und wunderschön ist, versteht sich von selbst.
Über einige Dinge hätte ich gern mehr erfahren, so z. B. über den Forschergeist des Kaisers, aber diese Nebenstränge werden leider alle nur sehr kurz angerissen. Die Guten obsiegen natürlich am Ende, wer im Unrecht war sieht es ein, die Bösen sterben. Ein sehr einfaches Schema, das m. E. nach dem Stoff gar nicht gerecht wird. Aus dem Thema hätte man mehr machen können.
Auch wenn die Geschichte leider kaum Spannung aufbaut, hatte ich nie das Bedürfnis, das Buch einfach wegzulegen. Der Schreibstil ist flüssig, gut verständlich und nicht anspruchsvoll. Positiv fand ich die Übersichtskarte zu Beginn des Buches sowie das Nachwort der Autorin, in dem zu lesen ist, welche Fakten der Geschichte historisch belegt sind, welche nicht.
Auf der Skala von 1-5 gibt es dafür von mir zwei Punkte, weil es einen zwar nicht vor Spannung den Atem anhalten lässt, aber auch nicht wirklich langweilt. Und zumindest auf den letzten 100 Seiten nimmt es doch noch einmal Fahrt auf. Für verregnete Nachmittage in stressigen Zeiten unbedingt geeignet, da es einfach so vor sich hinplätschert. Leichte Kost, die einem nichts abverlangt.


