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Christine Westendorf - Totenprinz

BeitragVerfasst: 13. Januar 2011, 22:49
von Tigo
Der dritte Fall für die Hamburger Kommissarin Anne Greve beginnt mit einer Frauenleiche am Elbstrand, die grauenhafte Verstümmelungen aufweist. Während die Polizei noch am Anfang der Ermittlungen steht, wird bereits eine zweite Leiche mit ähnlichen Verletzungen aufgefunden.

Bald wird klar, dass der Täter seine Opfer über eine Datingbörse online auswählt, sehr gekonnt ihre Sehnsüchte und ihrer Einsamkeit nutzt und mit ihnen spielt, um sie zu Treffen an einsamen Orten zu bewegen.

Die Geschichte des dritten Opfers ist sehr anrührend und nachvollziehbar erzählt. Die Unzufriedenheit und Einsamkeit in ihrer Ehe, der Wunsch nach einem Partner, der sie und ihre Sehnsüchte versteht, ihre Träume teilt. Eine Geschichte, in der sich sicherlich viele Leserinnen wiederfinden werden. So deutlich zu beschreiben, wie geduldig Worte sind, wie leicht sich virtuelle Persönlichkeiten erfinden lassen - und wie böse ein Blinddate enden kann, mag als Warnung dieser Tage durchaus Berechtigung haben.

War mir Anna Greve im 2. Band oftmals unsympathisch, ihre persönliche Zerrissenheit und ihr Umgang damit eher nervig, ihr Privatleben mir zu übermächtig, so kommt sie in diesem Buch sehr glaubhaft und lebensecht daher. Die gesamte Geschichte ist sehr intensiv, die schauderlichen Verbrechen sehr bildreich und prägnant erzählt. Das bleibt einem durchaus noch in Erinnerung, wenn das Buch im Regal bereits Staub anzusetzen beginnt.

Klares Manko für mich ist die extreme Anhäufung fehlender Kommata, unvollständiger Sätze, etc. Als schnelle und recht tolerante Leserin bin ich nicht besonders empfindlich in diesem Punkt, aber das ist in diesem Buch selbst mir sehr unangenehm aufgefallen. Dass laut Kurzbeschreibung die Autorin selbst in einem privaten Bildungsinstitut für Orthografie und Schreibtechnik arbeitet, sich im Nachwort bei der Lektorin für deren Gefühl für die Sprache bedankt, mutet da schon ein wenig ironisch an. Die Kritik geht klar an den Verlag, nicht an die Autorin! Lausige Arbeit der Verantwortlichen!

Der Autorin verübele ich das Ende des Romans allerdings. Ich habe mich ernsthaft gefragt, ob neben der Kommata vielleicht auch noch 2-3 Seiten in meinem Exemplar fehlen. Die Geschichte ist viel zu rasant zu Ende gebracht, zu konstruiert, wie abgeschnitten, als sei keine Zeit mehr für einen vernünftigen Ausklang geblieben. Dieses Hackebeil-Ende entzieht sich meinem Verständnis in Gänze und entbehrt m. E. nach jeglicher Logik. Schade, dass dieses spannende Lesevergnügen mit einem negative Eindruck endet.

Von dieser Nörgelei abgesehen, ist Totenprinz ein sehr sehr gutes Buch, das eine gewiss sehr aktuelle Gefahr unserer Zeit bestens aufgreift, und dessen unausgesprochene Warnung in hoffentlich vielen Köpfen noch lange widerhallt. Unbedingt lesenswert!

Re: Christine Westendorf - Totenprinz

BeitragVerfasst: 14. Januar 2011, 07:46
von nele
Tigo hat geschrieben:Klares Manko für mich ist die extreme Anhäufung fehlender Kommata, unvollständiger Sätze, etc. Als schnelle und recht tolerante Leserin bin ich nicht besonders empfindlich in diesem Punkt, aber das ist in diesem Buch selbst mir sehr unangenehm aufgefallen. Dass laut Kurzbeschreibung die Autorin selbst in einem privaten Bildungsinstitut für Orthografie und Schreibtechnik arbeitet, sich im Nachwort bei der Lektorin für deren Gefühl für die Sprache bedankt, mutet da schon ein wenig ironisch an. Die Kritik geht klar an den Verlag, nicht an die Autorin! Lausige Arbeit der Verantwortlichen!


Ich hab's mal weitergegeben, damit eine die nächste Auflage - falls es denn eine geben sollte - redigiert auf den Markt kommt.

Re: Christine Westendorf - Totenprinz

BeitragVerfasst: 14. Januar 2011, 11:15
von Tigo
Danke, nele! :) Zu anderen Verlagen habe ich einen direkten Draht, nur zu diesem nicht. Und ich habe die ganze Zeit überlegt, wie ich das anbringe. :D Danke!