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Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 9. November 2011, 23:00
von Tigo
*seufz*

Das geht jetzt schon seit drei Wochen so, dass alle unsere Pferde vermehrt aufgegast sind. Das liegt irgendwie an diesem unfassbar warmen Herbst, wir haben einfach zu viel Gras in zu guter Qualität auf der Koppel, dazu kommen die kühlen Nächte, der Tau auf den Wiesen ... und die Tatsache, dass unsere neue Stallmeisterin die Pferde grundsätzlich erst um 18.30 h reinholt. Früher sind sie bei Anbruch der Dämmerung reingekommen, da hatten wir so ein Palaver nie.

Heute Abend rief sie mich dann um 18 Uhr an. Shigon hat gewürgt und quasi Luft vorne rausgerülpst. Das ist bei einem Pferd ausgesprochen selten und passiert nur, wenn er ordentlich Luft im Gedärm hat und nicht mehr weiß wohin .

Also Mann angerufen, Tierarzt angerufen und losgeschossen gen Stall. Trotz seines Elends hat Shigon sich erstmal gefreut. "Boar, so viele Leute hier, das ist ja super!". Tierarzt hat untersucht, starke Schmerzen diagnostiziert und dann kam das übliche Programm. Nasen-Schlund-Sonde, Paraffin, entkrampfende Mittel und dann los, schön bewegen. Wir haben ihn dann erstmal ordentlich joggen lassen in der Halle, dann noch eine Stunde im Schritt bewegt. Die anderen Zausel haben wir gleich mit dazu genommen, die waren nur unwesentlich besser dran.

Es ging ihm hinterher schon ganz gut, er hat auch nochmal geäppelt und ordentlich Luft abgelassen.

Wir sind dann um 21 Uhr heim, da war er ganz ruhig, war aber sauer, weil er nichts zu fressen bekommen hat. Mein Mann ist jetzt noch einmal schauen und ich mache den Frühdienst und fahre um 6.00 h hin.

Drückt ihr mal bitte die Daumen, dass das alles gut ausgeht?

Re: Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 9. November 2011, 23:14
von She65
Du liebe Güte, die Daumen sind heftig gedrückt, dass es dem großen Mann besser und alles gut ausgeht. *drückt*

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Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 9. November 2011, 23:18
von hexlein
oh man tigo da drück ich aber kräftig die Daumen das alles glatt laueft

Re: Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 10. November 2011, 07:32
von Gytha
Ach Gott, der arme Shigon! Aber klar werden die Daumen gedrückt, ganz fest!

Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 10. November 2011, 07:34
von Walpurga
Ich drück die Daumen, dass es dem Pferdli schnell wieder gut geht.
Da ich von Pferden weniger als keine Ahnung habe: wie ist der Zusammenhang mit dem späteren reinholen um 18:30 Uhr und den Flatulenzen?

Re: Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 10. November 2011, 07:56
von Topolina
Daumen sind im Anschlag für den armen Geplagten (ob Kolik oder Hunger ;) )

Könnt Ihr da nicht mal drauf einwirken, dass sie früher reinkommen?

Re: Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 10. November 2011, 07:57
von Nina
Daumen sind gedrückt. Mit Gaskoliken kenne ich mich ja leider auch aus. Aber Ihr habt schnell gehandelt und das dürfte der entscheidende Faktor gewesen sein. :)

Walli, jede Minute, die die Pferde momentan länger auf der Koppel stehen - wo derzeit viel zu viel Gras steht - desto mehr fressen sie auch. In dem Fall dann mehr, als sie vertragen. Und das Grünzeug gast dann gerne in den Därmen auf, weil es gärt. Bis das Futter durch Magen und Darm "durch" ist, dauert es etwa einen Tag. Und wenn es dann da an einer Stelle "hängt" oder Unwohlsein verursacht, ist schnelles Handeln gefragt, sonst kann es für das Pferd lebensbedrohlich werden. Vereinfacht dargestellt. ;)

Re: Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 10. November 2011, 08:16
von SophieS
Oh je, wie geht es ihm heute Morgen?

Re: Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 10. November 2011, 08:33
von Tigo
Guten Morgen!

Ich habe mich um sechs Uhr heute früh bei 3 Grad, dichtem Nebel und Sprühregen zum Stall getastet. Das ist ja für so einen nachtblinden Fisch wie mich genau das richtige Wetter .... :roll:

Shigon hat sich über den frühen Besuch gefreut und freundlich gefragt, ob es denn jetzt bald mal Essen geben könnte. Da er fein und ausreichend geäppelt hatte, einen fitten Eindruck machte, durfte er auch Frühstück bekommen. :)

Ein Blick in die anderen Boxen hat mir gezeigt, dass es Cordito nicht ganz so gut geht. Der hat schlecht geäppelt, die Dinger sind trocken und klein, zudem hat er sein Heu von gestern Abend nicht mal ganz aufgefressen. *seufz*

Also gab es für alle eine große Portion Mash zum Frühstück, kein Kraftfutter und dann Heu. Happy und Shigon haben gut gefressen, Cordi nur das Mash. Dafür war er sauer, dass er noch nicht raus durfte und hat wütend protestiert. Wer dafür noch Energie hat, kann so schlecht nicht dran sein. ;)

Sie gehen heute nur zwei Stunden raus zur Bewegung, dann werde ich sie heute Mittag alle in der Halle arbeiten, nochmal mit Mash versorgen und heute Abend kontrolliert mein Mann dann nochmal.

Sieht aber so aus, als hätte Shigon die Kurve prima gekriegt, Cordi hingegen könnte Eure Daumen noch gut gebrauchen!

Walpurga, Nina hat das schon sehr gut erklärt. :) Ich ergänze nochmal eine ebenfalls vereinfachte Darstellung:

Das Problem ist, dass so ein pferdscher Verdauungstrakt extrem komplex und kompliziert ist, hochsensibel. Genetisch betrachtet ist das Pferd ein Steppentier, das altes und trockenes Gras frisst, also quasi Heu am Stängel. In frischem Gras ist viel Eiweiß, in den jungen Spitzen sind besonders viel Fruktane = eine Art Zucker, ergo Kohlenhydrat.

In normalen Jahren hört das Gras irgendwann Mitte Oktober auf zu schieben, es wächst dann nur noch sehr minimal bzw. gar nicht mehr. Da dieser Herbst so unfassbar warm ist (wir hatten vorgestern hier noch 16 Grad über Tag), schiebt das Gras noch, wir haben viele jungen Spitzen mit besonders viel Fruktanen im Angebot. So ein Pferd agiert nicht logisch bei der Nahrungsaufnahme, es freut sich, dass so viel wohlschmeckendes Gras da ist und langt zu. Die Wiesen sind feucht und von den kalten Nächten eben auch kalt, nasses/kaltes junges Gras ist dann nochmal eine Steigerung. Die Wirkung ist ungefähr so, als würdest Du Stachelbeeren vor der eigentlichen Reife tiefgekühlt konsumieren. 2-3 Stück gehen, ein Pfund nicht - die Bauchschmerzen wären gigantisch.

Wenn wir sie also nach vier-fünf Stunden reinholen, kontrollieren wir die Menge. Bleiben sie acht Stunden draußen, fressen sie über Gebühr viel. Der Körper kann das nicht verarbeiten, beim Verdauungsprozess entsteht Gas, zu viel Gas, das nicht mehr zügig genug abtransportiert werden kann - das Pferd bekommt Bauchweh, es krampft - die Kolik ist da. :?

Im Frühjahr, wenn wir im Prinzip nach dem kargen und wachstumsfreien Winter das gleiche Phänomen zu bekämpfen haben, gewöhnen wir die Pferde ganz langsam wieder an das junge Gras. Da geht man wirklich halbstündlich dran, weidet sie sukzessive an, damit der Körper eine faire Chance hat, sich auf diese Futterumstellung zu gewöhnen. Jetzt im Herbst ist das nicht so präsent, weil ungewöhnlich.

Drückt mal bitte die Daumen noch weiter, und zwar bitte sicherheitshalber für alle drei! :)

Re: Herr Shigon hatte eine Kolik

BeitragVerfasst: 10. November 2011, 08:41
von SophieS
Die Stallmeisterin hat kein Ohr dafür, dass die Pferde früher reingeholt werden sollten momentan?

Ich drück die Daumen für alle drei!