Ich war abends allein zuhause. Paulchen ist in der Gegen rumgestromert und unser Wackelkater Kaspar lag brav unterm Kirschbaum. Als es dunkel wurde, wollte ich Kaspar reinholen. Aber der Schlingel war weg!
Und ich seh auch schon im Garten hinter unserem Haus einen schwarzen Schatten bergauf Richtung Straße wackeln! Mir bleibt das Herz kurz stehen: Das Mehrfamilienhaus hat einen Parkplatz und keinen Zaun zur Straße und zu den Maisfeldern hin!
Ich kann nicht über den Zaun, der ist zu hoch. Und um Kaspar vorne abzufangen, müsste ich die Straße ganz vor und um den ganzen Block rennen. Das dauert zu lang! Oh Gott! Jede Minute zählt! Also setze ich mich schnell in meinem gestreiften Trägernachthemd ins Auto, fahr um den Block rum und laufe in den Nachbargarten.
Der Bazi Kaspar hat natürlich längst Lunte gerochen und überhaupt keine Lust, seinen Ausflug wieder zu beenden, also versteckt er sich im Gebüsch. Leider hab ich in der Hektik nicht daran gedacht, eine Taschenlampe mitzunehmen. Verzweifelt suche ich, da geht im ersten Stock ein Fenster auf und eine Frau ruft: "Suchen Sie die Katze, die so schaukelt beim Gehen? Warten Sie, ich helfe Ihnen, ich hab ihn gesehen!" Und die Gute kommt mit einer Taschenlampe, leuchtet in die Büsche - und siehe da: Zwei Katzenaugen leuchten zurück. Ich krieche also in den Rhododendron und ziehe unseren Ausreisser hervor, bedanke mich herzlich bei der Nachbarin und will wieder heimfahren.
Nur, wie stelle ich das am besten an? An einen Transportkorb hab ich natürlich auch nicht gedacht. Im ersten Moment möchte ich ihn am liebsten in den Kofferraum sperren, aber das ist zu gefährlich. Er kann ja das Gleichgewicht nicht halten und könnte sich verletzen oder stoßen. Also setze ich ihn auf den Beifahrersitz. Kaspar, der Autofahren hasst wie der Teufel das Weihwasser, protestiert lauthals und versucht, über die Sitzlehne klettern.
Ich packe den Schlawiner am Kragen und setze ihn auf meinen Schoß. Da er wieder abhauen will, muss ich ihn mit der rechten Hand festhalten. Blöd ist, dass ich dann natürlich die Gangschaltung nicht bedienen kann und deshalb im ersten Gang um den Block und am Sportplatz vorbei (lieber Gott, bitte mach, dass die keine Training mehr haben) bis zu unserem Haus zurückfahren muss.
Mein Mann fährt heute in den Baumarkt und kauft Material, um auch die letzte Schwachstelle im Zaun sicher zu machen. Und Kaspar hat bis dahin Hausarrest!


Meuselchen im Flatterhemd auf Kasparjagd. Das Bild sehe ich vor mir.