Sündenhof
Am königlichen Hof in London wird 1667, nur wenige Jahre nach dem großen Brand, eine enthauptete Leiche gefunden. Richter Trelawney wird von König Charles I persönlich mit der Aufklärung dieses ungeheuerlichen Mordes beauftragt, und gerät mitsamt seiner Familie damit ungewollt in den Focus des Mörders. Sein Freund, der katholische Priester Jeremy Blackshaw, der Wundarzt Alan Ridgeway und auch die schöne Amoret, Mätresse des Königs, merken, dass der Richter ihnen etwas verheimlicht und machen sich selbst auf, um dem Richter bei dieser schweren Aufgabe heimlich zu helfen. Entführungen, weitere Morde und Intrigen lassen ahnen, dass am englischen Königshof schwere Sünder weilen, die kein Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele scheuen ...
Die Charaktere sind sehr gut umgesetzt, ein jeder mit eigenen Schrullen versehen, und dabei bleiben sie alle wunderbar menschlich. Die Atmosphäre der Stadt London ist so brilliant beschrieben, dass man die Ruinen förmlich sehen kann und den Brandgeruch noch zu riechen glaubt.Die Geschichte entwickelt sich nur langsam, alles verläuft gemächlicher, und doch passt es in die Zeit des Romans, dem die Hektik unserer heutigen Zeit ebenso wie zu viele blutrünstige Details gottlob fehlen. Man kann durchatmen und sich von der Geschichte mitnehmen lassen. Richtige Spannung baut sich aber in der zweiten Hälfte doch noch auf, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag.
Auch ohne die vorhergehenden Bücher der Reihe gelesen zu haben, kann man der Geschichte problemlos folgen. Die eingewobenen medizinischen Details, wie z. B. die Überlegungen zu ersten Bluttransfusionen, sind sehr gut gelungen und vermitteln einen Eindruck, mit welchen Problemen man sich seinerzeit in der Medizin zu befassen hatte. Das Nachwort der Autorin liefert ergänzendes Wissen, und auch das angefügte Glossar habe ich als hilfreich empfunden.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, weil es auf angenehme Art in seine Zeit entführt und mich gekonnt "entschleunigt" hat. Und Lust darauf, die anderen Bücher von Sandra Lessmann zu lesen, hat es auch gemacht. Gelungene Unterhaltung!
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