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Katerina Timm erzählt in Hexenschwester die Geschichte von Lene, die sich während des Dreißigjährigen Krieges abspielt. Wohlbehütet zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Clara aufgewachsenen hat Lene nur einen Traum: ihre große Liebe, den Buchbinder Velten, zu heiraten. Doch es kommt anders. Clara und Velten heiraten. Und so willigt Lene in die Ehe mit dem Schumacher Contz ein, den sie eigentlich verabscheut. Nicht nur die lieblose Ehe belastet Lene. Auch ihr früher so enges Verhältnis zu ihrer Zwillingsschwester leidet unter der verheimlichten Liebe zu Velten. Zudem rückt der Dreißigjährige Krieg näher, Missernten und Naturkatastrophen verunsichern die Bürger. Und schnell wird den Einwohnern von Büdingen klar, dass nur Hexen an allem schuld sein können.
Katerina Timm hat hier keinen reißerischen Hexenroman geschrieben. Sie nimmt sich Zeit und entwickelt ihre Charaktere. Die Lene, die lernt, ihr Leben so anzunehmen, wie es ist. „Es ist recht so, wie es jetzt war. Aber war es besser?“, sinniert sie einmal. Sie hätte ihr Leben gern anders, aber sie lebt es, wie es ihr gegeben wurde, ohne dabei schwach zu sein.
Weitere Personen, die sehr schön beschrieben werden, sind die Clara, die vom Glück begünstigt zu sein scheint, der gescheite Velten, der schwache Contz, der zerrissene Julio, tratschende Nachbarn, die Obrigkeit. Aus all den zu Leben geweckten Charakteren bildet sich eine Atmosphäre heraus, in die der Leser hineintauchen kann. Er kann spüren, wie sich die Gerüchteküche bildet. Er kann nachvollziehen, wie eine Frau sich fühlen muss, wenn sie Angst hat, als Hexe besagt zu werden. Hat sie was Verkehrtes gesagt? Zu wem? War sie zu wenig oder zu oft in der Kirche? Der Leser kann förmlich das Misstrauen spüren, das sich in der kleinen Gemeinde bildet. Er spürt, wie sich die kleine fröhliche Gemeinde zu einem unfrohen, verängstigten Ort verändert.
Zum Ende hin steigert sich das Tempo des Buches, es gibt ein spannendes und auch ungewöhnliches Ende.
Insgesamt wirkt das Buch authentisch, dies gelingt durch die überzeugenden Charaktere, die gut recherchierten Details und den Verzicht auf unnötige Übertreibungen. Die Sprache ist klar, ohne Schnörkel, der Einstieg in das Buch gelingt leicht.
Anhand dieser Geschichte gelingt es Katharina Timm, auch einige Ursachen der Hexenverbrennungen zu verdeutlichen.
Es handelt sich hier um ein wirklich lesenswertes Buch, das ich gerne weiter empfehle.
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