Kurzbeschreibung
Joachim Vernau ist ganz oben in der Berliner Gesellschaft angekommen. Er steht kurz davor, in die wohlhabende und einflussreiche Familie der von Zernikows einzuheiraten, nicht ahnend, dass ihre Ehrbarkeit nicht viel mehr als Fassade ist. Als eine ukrainische Frau auftaucht und behauptet, die von Zernikows hätten im Zweiten Weltkrieg eine Zwangsarbeiterin beschäftigt, lässt das Familienoberhaupt sie kurzerhand hinaus werfen. Wenig später wird sie tot aus dem Landwehrkanal geborgen. Vernau beginnt unangenehme Fragen zu stellen und kommt nicht nur der Identität der Frau sondern auch dem lukrativen Geschäft mit enteigneter Kunst auf die Spur …
Nominiert für den Glauser, den wichtigsten deutschen Krimipreis.
Diese Kurzbeschreibung wird dem Roman in keinster Weise gerecht, bringt einen auf eine ziemlich falsche Spur. Denn es klingt langweilig, oder? Zumindest fand ich das, denn bei mir hat das Buch locker 12 Monate im SUB geschlummert.
Das ist das Buch aber in keinster Weise. Joachim Vernau, der als Ich-Erzähler durch das Buch führt, ist ein vermeintlich aufstrebender Jurist, sarkastisch, zynisch, er vermag mit Worten messerscharf zu agieren. Sämtliche Figuren sind von der Autorin so wunderbar skizziert, dass sie alle ein Gesicht bekommen, ihre Macken, Schrullen und Eigenheiten lebendig werden. Ein ironischer Blick hinter die Kulissen der "feinen Gesellschaft", wo mehr Schein als Sein zu finden ist.
Sehr berührt hat mich das Schicksal der Zwangsarbeiter, der Kinder und Jugendlichen, die die Nazis einfach nach Deutschland geschleppt haben, wo sie in deutschen Familien "dienten". Das war mir bis zum Lesen des Buches SO deutlich nicht.
Der Schreibstil ist wunderbar, die stets vorhandene leise Ironie bringt einen immer wieder zum Schmunzeln. Kurzum, das Buch liest sich flüssig weg wie nix. Und, ein für mich im Moment entscheidendes Kriterium, das Buch spielt in Deutschland, in Berlin! Warum müssen es immer englische, amerikanische, skandinavische Krimis sein? Deutsche Autoren können das nicht minder gut! Elisabeth Herrmann ist ein erstklassiges Beispiel dafür!
Ich empfehle ebenso von Herzen die anderen beiden Bände mit Joachim Vernau "Die siebte Stunde" und "Die letzte Instanz". Sie alle sind qualitativ hochwertig, haben alle eine interessante Story zu bieten und die Figuren bleiben schrullig, sympathisch, selbstironisch und unterhaltsam! Ich hoffe, dass die Serie weitergeht!



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